bayrischzell: Bergwaldwirtschaft

»Der Wald ist das Gold der Bauern«. Bis zu einem Drittel ihres Einkommens erzielen die Bauernfamilien in dieser Region mit der Waldwirtschaft. Zu den Höfen gehören sehr unterschiedlich große Waldflächen. Wenn sie über zwanzig Hektar umfassen, ist der wirtschaftliche Faktor tragend. Mit den Gewinnen aus dem Holz- und Brennholzverkauf können die Höfe Schwankungen der betriebswirtschaftlichen Einnahmen auffangen und verfügen über eigenen Brennstoff. Eine zukunftsträchtige option ist die nutzung einer Holzvergasungsanlage, was sich jedoch nur für größere betriebe rechnet. Im Miesbacher Oberland ist über die Hälfte der Region bewaldet, der Anteil der privaten Waldflächen ist genauso groß wie der Staatswald. Im Bergwald des Mangfallgebirges stehen überwiegend Fichten, aber auch Laubbäume wie Buchen, Bergahorn und Eschen. Der Zuwachs von Fichten ist besonders hoch, auch deshalb ist die Waldwirtschaft in dieser Region wirtschaftlich lohnend. Dennoch werden inzwischen weniger gepflanzt, da sie Trockenperioden nicht so gut überstehen können. Die Waldarbeit ist für die Bauern eine willkommene Abwechslung zur Arbeit mit dem Vieh, und, weil sie schwer und nicht ungefährlich ist, ausschließlich Sache der Männer. Für die Jungen ist Forstwirtschaft ein angesehener Ausbildungsweg und artverwandt mit der landwirtschaftlichen Ausbildung.

In der traditionellen Landwirtschaft wurde vor allem im Winter Holz geerntet, weil die Stämme dann wenig Wasser eingelagert haben und der Abtransport leichter ist. Es gibt Zimmerer und Schreiner, die zudem gern mondgeschlagenes Holz verwenden, das heißt Holz von Bäumen, die in einer bestimmten Mondphase gefällt wurden. Mit dem Einsatz von großen Maschinen oder der Vergabe an Subunternehmen wird inzwischen das ganze Jahr über Holz geerntet. Entscheidend ist heute eher, wie hoch der Holzpreis ist. Genutzt wird das Holz im Hausbau, für Holzprodukte, zur Energiegewinnung und als Brennholz, das sich regional vermarkten lässt.

In der Bergwaldwirtschaft gilt es, genau wie in der Landwirtschaft und dem Naturschutz, unterschiedliche Interessen und Nutzungsweisen so zu verbinden, dass die Natur profitiert. Denn gesunde Bergwälder schützen vor Hochwasser, Hangrutschungen und Lawinen. Sie bilden wertvolle Natur- und Erholungsräume für die Menschen und Lebensräume für viele Tiere und Pflanzen. Der nachwachsende Rohstoff Holz kann hier nachhaltig und naturnah produziert werden. Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft hat untersucht, wie sich die Funktionen der Bergwälder verändert haben. Bis vor ungefähr einhundert Jahren wurden diese Wälder viel intensiver als heute genutzt, danach dienten sie nicht mehr so stark der Existenzsicherung der Waldbesitzer. Die Bergwälder sind so,wie wir sie vorfinden, immer noch durch die über Jahrhunderte andauernde Nutzung geprägt. Doch heute werden in der Forstwirtschaft neben der Holzproduktion vor allem die Schutzfunktionen und die Funktion des Bergwaldes als Erholungsraum unterstützt. Zudem muss die Anpassung der Bergwälder an die sich verändernden klimatischen Bedingungen beachtet werden.

Aus »Bauernlandschaft«, S. 71/72

Bilder: Lois Willerer, Dorf/ Bayrischzell