Solidarische Landwirtschaft in Lenggries
Neue Wege der Direktvermarktung geht die BIOTOP-Gärtnerei, die im Isarwinkel vierhundertfünfzig Haushalte mit Biogemüse versorgt und ein Dorf mit Produkten aus der Region

Sportsman heißt der ladenneue Quad, dessen Funktionen sich Claudia Brettel, Nick Fischer und Sebastian Girmann vom Fachhändler aus Wackersberg erklären lassen. Hände in den Hosentaschen stehen sie vor dem All Terrain Vehicle und versuchen, sich nicht zu beeindruckt zu zeigen. Das Fahrzeug wird für den Gartenbau angeschafft. Eine große Investition der Genossenschaft. »Noch vor kurzem hätte ich mir nicht vorstellen können, dass wir mal mal mit so einem Ding durch die Gegend fahren«, bemerkt Nick. »Wir kleben einen woman-Aufkleber über das Logo«, überlegt Claudia. Sebastian freut sich über die Allradfunktion, mit der sie ab jetzt die Erntewagen von den Treibhäusern holen können, ohne stecken zu bleiben. Der Händler beendet seine Ausführungen mit dem Wartungsturnus, der nach Betriebsstunden berechnet wird, und fährt in seinem Pickup vom Hof.
»Wir führen unsere Gärtnerei als Genossenschaft nach den Regeln der solidarischen Landwirtschaft, das heißt, sie gehört allen«, erklärt mir Nick oben im Büro. Der neunundreißigjährige Lenggrieser hat Geoinformatik studiert und ist im Biotop für die Kommunikation zuständig. Gerade setzt er sich neben Claudia und löffelt ein Müsli mit Joghurt aus dem Schraubglas. Um zehn Uhr treffen sie sich immer zu einem kurzen, gemeinsamen Frühstück. Geoinformatiker entwickeln Systeme zur Verwaltung, Nutzung und Präsentation digitaler Informationen über Städte, Bauland oder Naturschutzgebiete. Was genau damit gemeint ist, dem Gemüse seinen wahren Wert zurückzugeben, möchte ich von Nick wissen, denn so steht es auf ihrer Homepage.
»Unser Gemüse schätzen wir nicht nach seinem Marktwert ein, sondern definieren selbst, was die Ware und auch die gesamte Produktion für uns bedeutet. Wir entkoppeln sozusagen den Geldwert von dem, was die Lebensmittel insgesamt für uns bedeuten. Dazu gehört, wie wir mit der Natur umgehen und mit uns. Ob alle Beteilgten fair bezahlt werden, oder wir uns selbst ausbeuten. Die Genossenschaft ist das Dach, unter dem sich alle gut fühlen. Wir liefern nicht eine feste Menge zu einem bestimmten Preis an unsere Mitglieder, sondern teilen unsere Erträge. Das ist im Sommer natürlich mehr, und im Winter, wenn wir Lagergemüse nutzen, etwas weniger. Aber wir bieten durchgängig sechs bis acht Gemüsesorten wöchentlich an, und kaufen für die Wintersaison Bioware von anderen Unternehmen dazu, da wir nicht alles durchgängig liefern können. Der Zukauf macht übers Jahr verteilt ungefähr ein Fünftel aus. Den finanzieren wir durch die Vermarktung von Überschüssen im Sommer. Unser System heißt Ernten und Teilen...
[weiter im Magazin Ausgabe 1]
























